…und die Welt bleibt stehen…

…Eigentlich bleibt sie nicht wirklich stehen. Im Gegenteil. Sie bewegt sich noch schneller als je zuvor. Wir bewegen uns, und bewegen sie mit. Nur leider, in die falsche Richtung. Was momentan auf der Welt passiert ist weder verständlich noch beschreiblich. Wahrscheinlich ist es gerade deswegen unbeschreiblich, weil wir es nicht begreifen können. Ich kann nicht begreifen, warum Menschen, die flüchten mussten, als habgierige Eindringlinge gesehen und als solche auch behandelt werden. Menschen, die gerade dem Tod in die Augen blicken mussten und ihm wie durch ein Wunder entkommen sind, werden um Zelte beneidet. Und das von Leuten, die in einem Staat leben, der ihnen finanziell in vielen Angelegenheiten unter die Arme greift und man kann davon ausgehen, dass es ihnen besser geht als jedem Einzelnen dieser Flüchtlinge.

Wo soll ich anfangen?  Aber es ist nicht nur die Lage in Österreich, die bedauernswert ist. In China dürfen die Uiguren heuer nicht fasten. Schüler werden in der Schule von Lehrern dazu gezwungen Wasser zu trinken und Angestellte in der Arbeit. Nach dem Attentat von Charleston folgten mehrere Kirchenbrände in den USA und Bombenanschläge in Tunesien, Kuwait und Frankreich. Von den Tötungen in Burma, will ich gar nicht anfangen.

Warum? Ich habe beim Aufzählen bestimmt unzählige Ereignisse nicht genannt, aber schon beim Aufzählen schmerzt mir das Herz. In was für eine Welt leben wir, dass Menschen so grausam zueinander sind? Was bewegt uns dazu? Es ist einfach die Schuld auf die Medien zu schieben und zu sagen:“Immer werden Muslime als Terroristen dargestellt und Schwarze als Gangster.“ Das stimmt auch, aber haben denn Leute keine Augen im Kopf? Gehen sie nicht auf die Straßen und sehen, dass es nicht so ist? Wie viele Muslime müssen sich noch von Taten distanzieren, die sie nicht begangen haben und wie viele Schwarze müssen noch sterben, ehe man realisiert: Sie sind Teil dieser Welt. Wir sind alle Teile dieser Welt.

Dunkelgraue Brücken Wie oft muss noch erklärt werden, wie ähnlich wir uns alle sind, dass Herkunft und Glauben keine Rolle in den zwischenmenschlichen Beziehungen spielen und vor allen nicht bei kriminellen Taten? Wie viele müssen noch ertrinken, ehe man sich daran erinnert, dass diese Menschen das Recht haben, hier zu sein, denn damals waren auch wir dort. Und als wir dort waren, nahmen wir ihnen alles weg was sie besaßen. Nicht nur das, wir haben sie in dem Glauben gelassen, es sei unser Recht. Und sie glaubten es. Sie glauben es sogar noch. Ich weiß nicht, ob es ein Mangel an Geschichtskenntnis oder Ignoranz ist was uns in diese Lage versetzt, aber ich versuche mich trotzdem auf das Positive in dem Ganzen zu konzentrieren. Es ist dunkelgrau, aber noch nicht schwarz. es gibt Leute, die den Unterschied machen, und der ist gewaltig. Menschen, die für alles Gute in andere Menschen stehen, ohne darauf zu achten wie diese heißen, woher diese kommen, oder für wen diese beten. Menschen, die Muslime, Ertrunkene, Schwarze und Flüchtlinge verteidigen, obwohl sie selber keine sind. Menschen, die über die Schicksale anderer Menschen schreiben und für diese einstehen, auf Demonstrationen gehen, ihre eigene Regierung und Medienpolitik laut und furchtlos kritisieren, obwohl sie davon nichts haben, außer, dass sie Brücken bauen. Brücken, die uns zusammenbringen, die uns dazu zwingen einander zu verstehen, einander zuzuhören und mehr als bloß Worte sagen. In der kommenden Zeit werde ich mich mehr auf diese Menschen konzentrieren, denn sie geben mir die Hoffnung, die ich im Moment brauche, um den Glauben an die Menschheit nicht vollkommen aufzugeben.

Niqabi Kardashian – breaking the Internet, AGAIN!

Die Eine bricht das Internet mit ihren blanken Pobacken, die andere mit der Verschleierung ihres Gesichts. Warum die Kardashians wie handeln, wird wahrscheinlich für immer ein Rätsel sein, oder ein gut durchdachtes Spiel, um ihre Fan-Community und damit gleichzeitig ihre Bankkonten zu füllen. Aber haben sie überhaupt eine Grenze, wo hört dieser Hype auf?

Screenshot: Instagram

Screenshot: Instagram

Als Khloe Kardashian ihr Foto als Niqabi aus dem Dubai-Urlaub auf diversen sozialen Netzwerken postete, rechnete sie wahrscheinlich nicht mit all diesen Hass-Kommentaren, oder etwa doch?  Es gibt sehr viele, unterschiedliche Meinungen von ihren Followers zu diesem Foto, aber wenn man sie scharf abtrennt, so gibt es die Gruppe die meint, sie habe das Recht zu tragen was sie wolle. Eine andere Gruppe -vorwiegend Muslime- findet sie ging mit dem Schritt zu weit, wer sich gestern halbnackt abbilden ließ, hätte nicht das Recht heute verschleiert zu posieren. Die dritte Gruppe – wieder Muslime- fühlen sich geehrt, dass eine so berühmte Person den Islam so respektiert, dass sie die islamische Robe selber trägt. Ich persönlich bin kein Mitglied dieser Gruppen. Mir geht es um einen ganz anderen Punkt, der von niemandem angesprochen wurde:

Musliminnen tragen das Kopftuch und den Niqab überall auf der Welt und das seit schon immer. In nichtmuslimischen Ländern werden sie als unterdrückt, ungebildet, unprivilegiert und Parasiten gesehen. Viele von ihnen können sich den Traum von bestimmten Jobs abschminken, weil das Kopftuch angeblich für den „Terror“ schlechthin steht. Von verbalen und körperlichen Attacken will ich gar nicht anfangen. Dann kommt eine Frau Kardashian daher, postet dieses Foto und wird von verschiedenen Magazinen als Trendsetterin dargestellt. Und wieder bricht eine Kardashian das Internet. Und ich gebe nicht ihr die Schuld, ganz im Gegenteil, ich finde sie ist ein Opfer ihrer Gesellschaft.

Welche Gesellschaft macht eine Familie berühmt, die nichts im Leben geleistet hat, außer eine Kamera im Wohnzimmer stehen zu haben, die ihr Leben – ihre intimsten Momente- ans Licht der Welt bringt? Dadurch wurden sie berühmt. Und mit jedem Tag werden sie berühmter und von jungen Mädchen angehimmelt, die denken, das sei das wahre Ziel im Leben. Es gibt für diese Geschichte keine Conclusion, sondern nur meine Verwunderung über die Doppelmoral der Menschen, die sich so leicht von Oberflächlichkeiten blenden lassen und dabei vergessen, dass sie vergänglich sind. Oberflächlichkeiten altern, vergehen, alles was bleibt ist deine eigene Wahrheit und da hilft kein Botox.

Ganz ungenau was ich will!

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(c) Cali Maat

Heute wollten sie sich wieder zu viert treffen. So wie in alten Zeiten. Zeit. Wie schnell sie vergeht. Das letzte Mal sahen sie einander auf Safias Hochzeit, und die ist schon fast ein ganzes Jahr her. Es trifft sich gut, dass sie gerade alle in der Stadt sind, Safia hat nämlich etwas zu verkünden. Da saßen sie, endlich wieder vereint, zu viert. Safia, die neue Braut; Asia, die Künstlerin; Leila, die Karrierefrau und Nabila, die älteste von ihnen, die schon dreifache Mutter ist. Gelächter. Wann immer sie aufeinander treffen wird gegessen, geplaudert und gelacht, auch nun verläuft es nicht anders. Diese gute Laune nützt Safia aus und sagt laut:“Ich bin schwanger!“ Stille. Und dann ein plötzliches:“Jetzt schon?“ von Leila. „Ja, wir wollten es so, ist das schlimm?“, versucht Safia zu verstehen. Von Leila kommt nur ein Achselzucken, während Nabila die werdende Mutter umarmt und vor Freude weint. Sie kann endlich ihre Erfahrung mit Safia teilen. Auch Asia möchte ihren Beitrag teilen:“Ich muss unbedingt ein Shooting von dir machen, werdende Mütter strahlen etwas ganz Besonderes aus. Das kommt dann in meine nächste Ausstellung.“ Leila war wie in einer anderen Welt, bemerkte dies und versuchte ihren Standpunkt zu erklären:“Versteh´ mich nicht falsch Safia, aber ich finde du bist noch so jung. Was wird aus deiner Karriere? Was wird aus deinen Träumen, deinen Zielen? Was wird aus dir?“ Ganz leise aber selbstbewusst antwortete Safia:“Mutter. Aus mir wird eine Mutter.“ Um die Stimmung etwas anzuheben leitete Asia ein:“Also Mädels, ich muss euch etwas zeigen. Aus meiner letzten Reise habe ich so viele Fotos und Videos gemacht, dass ich die nächsten zehn Jahre eigentlich zu Hause bleiben könnte. Werde ich aber natürlich nicht.“ „Wo warst du denn?“, fragte Nabila gespannt. „In Bali.“ Sagte Asia und zeigte stolz ihre Fotos. Während Asia von den aufregenden Orten erzählte, die sie besuchte, hörte ihr Nabila nicht zu. Sie sah sie bloß an und verlor sich in den Funkeln in den Augen ihrer Freundin. Wie gerne würde sie selbst etwas so Aufregendes erleben, dass ihr die Spucke wegbleibt, ihr Herz rast und ihre Augen so funkeln. Wie schön wäre es, einen Tag lang nicht die Mutter von zwei pubertierenden Burschen und einem Kindergartenkind zu sein, sondern einfach nur ein Mädchen mit Kamera auf Reisen? Unabhängig, alleine, aber nicht einsam, sondern frei. Frei von jeder Verantwortung. Nicht nur Nabila träumte vor sich hin, auch Leila, die Safia für unverantwortlich hält, tut es nur, weil sie selber Mutter werden möchte und nicht kann. Sie sieht zu ihrer zehn Jahre jüngeren Freundin hin, die gerade bekannt gab, sie sei schwanger. Wie jung sie doch ist, wie schön und glücklich. Leila selbst ist fast vierzieg, steht fest im Leben, hat beruflich alles erreicht, was sie jemals wollte, vielleicht sogar mehr. Sie hat vor kurzem eine Trennung hinter sich und das Mutterwerden aufgegeben. Sie sieht zu Safia, lächelt sie an, und streichelt die Hand ihrer Freundin. „Entschuldigung angenommen.“, lächelt Safia zurück.

So verging der Abend und jede ging nach Hause. Als Nabila zu Hause ankam, wartete ihr jüngster Sohn noch auf sie. Er konnte nicht schlafen. Sie legte sich zu ihm, streichelte ihm die Haare und während er schlief, sah sie ihn an und ihr lief eine Träne über die Wange. Um nichts in der Welt würde sie diesen Moment austauschen wollen. Sie begriff, dass sie schon alles hatte, was sie brauchte. Ihre Kinder waren das Abenteuer, diese drei Kinder zu Männern aufwachsen zu sehen, was mehr könnte ihr Herz vor Freude rasen lassen? Keine Reisen, keine Unabhängigkeit, oder Abenteuer sind wertvoller als zuzusehen, wie ihre Söhne wachsen und ihr zeigen, wie sehr sie sie brauchen. Es mag sein, dass es nicht immer einfach ist, dass sie manchmal eine Auszeit braucht, aber der Funke in den Augen ihrer Söhne, wenn sie glücklich sind, leuchtet stärker als jeder Stern.

Zu Hause angekommen sah sich Safia in den Spiegel. Sie würde zunehmen, ihre Haut wäre nicht mehr straff und wann sie wieder in die Arbeit könnte, das weiß sie nicht. Ist sie glücklich? Sicher ist sie das, aber was, wenn es das war? Was wenn Leila Recht hat? Leila hat alles, was Safia jemals wollte. Geld, Ruhm, Erfolg. Sie ist so sicher, so stark und das obwohl sie alleine ist. War es das jetzt? Wird sie nie wieder hübsch sein? Schlank? Begehrenswert? Erfolgreich? Plötzlich ein Kicken. Das Baby. Sie lachte und streichelte ihren Bauch. Was auch immer kommen mag, wir stehen es zusammen durch. Und sollte sie nicht erfolgreich und berühmt werden, so hofft sie, eine gute Mutter zu werden.

Asia war noch unterwegs, sie saß in ihrem Auto und kam irgendwie nicht voran. Sie stand im Stau und nützte diese Chance, um aus dem Auto aus zu fotographieren. Es regnete und sie fotographierte gerne im Regen. Als sie dann zu Hause die Aufnahmen durchsah, bemerkte sie, dass sie einen Mann fotographierte, der direkt in die Kamera sah und lächelte. Er sah gut aus. Zirka in ihrem Alter. Sie konnte nie eine Beziehung aufrecht erhalten, da sie immer verreiste. Sie war immer nur kurz zu Hause und dann irgendwo auf der Welt. Und das für lange lange Zeit. So, als würde sie von etwas davonlaufen. Sie liebte diese Art zu leben, immer dann abzuhauen, wenn man etwas Neues sehen will, aber als sie mit den Mädels war und zu Nabila sah, vermisste sie etwas. Sie vermisste es jemanden zu Hause zu haben, der wartete. Sie vermisst die Verantwortung, das Gefühl der Seßhaftigkeit.

Leila lag im Bett. Alleine. Sie dachte nach. Sie sah zur anderen Seite des Bettes rüber. Leer. Sie legte sich in die Mitte vom Bett, damit die Leere nicht so auffällig war. „Wer braucht schon Kinder, ich habe zwei Katzen!“ Ihr Telefon klingelt. Es ist ihre Mutter:“Habibti, ich wollte nur wissen wie es dir geht. Ich musste an dich denken und dachte, ich rufe an. Ist alles okay?“ Leila war gerührt. Sie hatte nicht immer ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, aber sie weiß, dass sie immer auf sie zählen kann. Sie antwortete:“Jetzt schon Mama, jetzt schon.“

Oft kommt es vor, dass wir das Leben unserer Freunde betrachten, und es für vollkommen halten. Dadurch kommt uns unser eigenes Leben, weniger vollkommen vor. Wer würde nicht gerne Kinder haben, eine glanzvolle Karriere, immer dann verreisen, wenn es einem danach ist und trotzdem eine tolle Mutter sein? Aber so läuft das Leben leider nicht. Wir sehen den Schein der anderen, verlieben uns in ihn, bekommen aber das Sein, nämlich das, was sich hinter verschlossene Türen abspielt, nicht mit. Liebe dein Sein, damit dir der Schein anderer nicht das Gefühl geben kann, dass dein Leben unvollkommen ist. Das ist es nämlich nicht.

Die Deutschen in Kuwait sind die Türken von Deutschland

Kuwait. Ein arabisches Land. Ein arabisches, islamisches Land. Ob man es glaubt oder nicht, aber auch hierher kommen Europäer und Amerikaner. Nicht viele, aber hier und da sieht man sie doch. Was führt sie bloß her? „Hier verdiene ich fast viermal so viel wie zu Hause“, meinte unser Nachbar, ein Amerikaner. Da meine Muttersprache aber Deutsch ist, konzentriere ich mich (unbewusst) auf die deutschsprachige Ecke. Eines Abends spricht mich unterwegs eine deutsche Dame an, die mich Deutsch reden hörte und stellt mir folgende Frage:“ Wie sehen Sie das als Muslima, dass ich hier im Minirock stehe, und das in einem islamischen Land?“ Die Antwort darauf war mir ein Vergnügen:“Mir ist das egal, weil ich es gewohnt bin Frauen von nackt bis vollverschleiert zu sehen, und selber die gleichen Körperteile wie Sie auch besitze, also für mich ist das hier keine Premiere. Die Einheimischen hier sehen Sie aber wahrscheinlich so, wie Deutsche in Deutschland Kopftuchträgerinnen sehen würden.“ Diese Antwort schmeckte ihr gar nicht, sofort kam ein Faktum von ihr, das ich nicht bestreiten konnte:“Aber die Türken lernen nicht einmal die Sprache bei uns.“ Mein sarkastisches:“Ach können Sie etwa Arabisch?“, jagte sie in die Flucht. Das war das erste Mal, dass ich es bemerkte, sind die Deutschen in Kuwait etwa die Türken von Deutschland?!

So verschieden und doch so ähnlich…
Der Vergleich ist gar nicht weit hergeholt, viele Deutsche die hier sind, haben Deutschland verlassen, weil sie hier viel mehr Geld verdienen. Die meisten Türken die nach Deutschland ziehen, machen dies aus demselben Grund. Dann kommen sie an, und finden eine Kultur, die sie weder verstehen, noch akzeptieren, aber man lebt doch irgendwie damit. Das ist auf beiden Seiten identisch. Die arabische Sprache ist nicht einfach, aber Deutsch ist auch nicht gerade ein Spaziergang. Dazu muss ich aber zugeben, dass Türken viel besser Deutsch können, als Deutsche Arabisch, sie verständigen sich eher auf Englisch – sofern sie Englisch können.

Wer wo kann und wer wo leben muss, sind zwei verschiedene Paar Schuhe
Eine Sache hat mir ein deutscher Freund erklärt:“Es gibt Menschen die können hier leben und andere, die müssen hier leben, weil sie es in Deutschland zu nichts gebracht haben.“ Die Deutschen, die es können, sind offen, interessiert, vielleicht nicht mit allem einverstanden was hier geschieht (bin ich auch nicht), aber sie versuchen friedlich zu leben, ohne zum Ungustl zu mutieren und könnten jeden Moment wieder nach Hause fahren. Die Leute, die aber müssen, haben in dem Fall die „Türkenkarte“ gezogen, jammern alles und jeden voll, gehen grantig durch das Leben und kritisieren alles in diesem Land und lästern über alles was geht und steht. Es gibt hier auch mehr als genug zu kritisieren, aber sicher nicht was die Gastfreundschaft, vor allem den Europäern gegenüber, betrifft. Und das ganz ohne Frau Merkel und Sebastian Kurz, Integration wird hier gar nicht angesprochen, weil jeder den Beitrag dazu leistet, den er für richtig hält. Hier leben einige miteinander und andere eben nur nebeneinander, aber keiner wird zum Sündenbock gemacht oder als „integrationsunwillig“ bezeichnet, wenn er seinen Minirock anbehält. Natürlich, wahrscheinlich müssen diese Damen Blicke ernten, die einer Belästigung oder Diskriminierung sehr nahe kommen, aber müssen das Kopftuchträgerinnen in Deutschland nicht auch?? Ooops, wieder eine Gemeinsamkeit.

Es ist also ganz egal wie unterschiedlich sich Deutsche und Türken in Wahrheit sind, eines steht für mich fest: Die Deutschen in Kuwait sind die Türken von Deutschland.

Der Cello-Flüsterer

Er ist „Made in Egypt“, spricht mehr als fünf Sprachen und beherrscht außerdem noch die magische Gabe der Musikinstrumente. Du hast ihn vielleicht schon in der Innenstadt gehört, Peter Profant ist dort schon eine kleine Berühmtheit.

„Ich werde von Ohren beobachtet“
In seinem schwarzen Anzug, auf seinem kleinen Stuhl und mit der Berührung auf seinem Cello, bringt er die Vorbeigehenden auf der Kärnterstraße zum Stehen. Sie bleiben stehen, hören ihm lange zu, einige weinen, andere tanzen, aber keiner geht einfach so an ihm vorbei. Obwohl Profant einer der Künstler ist, die ihrem Publikum nicht in die Augen schaut, gibt es trotzdem eine intensive Interaktion :“ Wenn ich spiele bin ich in einer anderen Welt. Ich vergesse oft, dass da Leute stehen, aber trotzdem weiß ich, dass ich beobachtet werde. Von Ohren, nicht von Augen. Ich biete den Leuten nichts Visuelles, ich berühre sie wo ganz anders, dass ich das kann, wusste ich nicht immer. Als Künstler braucht man immer Bestätigung anderer, sonst ist man verloren. Wenn ich dann fertig bin, sehe ich, dass jemand einen 100-Euroschein hinterlassen hat, oder von meiner Musik so gerührt ist, dass er wartet bis ich fertig bin, und sich dann bei mir bedankt. Ich weiß gar nicht wofür sie sich bedanken, aber sie tun es.“

Im Mutterleib schon die Welt gesehen
Die Musik ist ihm in die Wiege gelegt worden, denn sein Vater – Italiener- lebte in Ägypten und unterrichtete Musik an der Universität in Kairo. Außerdem war er Mitglied im Orchester. Peter selber sollte in Ägypten geboren werden, doch es kam anders, er erblickte in Tschechien – seine Mutter ist Tschechin- das Licht der Welt. „Es ist witzig, dass ich schon damals so viel reiste, immerhin habe ich bis heute noch über 120 Konzerte europaweit“, sagt er stolz.

Auf die Frage, warum Peter auf der Straße spielt meinte er mit italienischer Körpersprache und Akzent:“Die Straße ist frei, du regelst sie, sie gehört dir. Obwohl ich in Kirchen und Konzerthäusern mehrere Instrumente spiele, so fühle ich mich auf der Straße wie mein eigener Herr. Und durch diese Musik will ich den Menschen sagen „Du bist individuell, lass dir das von niemandem nehmen“, ganz gleich ob das was ich spiele traurig oder fröhlich ist. Eine Frau beschrieb es mir mal so „Ihre Musik ist wie ein Spiegel, man sieht sein ganzes Leben darin, nackt und echt“ Und wissen Sie was, ich möchte ihr glauben.“

(c) Florian Proprenter

(c) Florian Proprenter

https://www.youtube.com/watch?v=u52G_Xk5E6U

Es weht ein fresh(er) Wind…

Sie sind jung, frech, ambitioniert, aber vor allem sind sie ganz fresh! Ein neues Lifestyle Magazin schmückt Österreichs Magazinwelt, das besondere daran ist: Es geht um die Black Austrian Community. Somit ist „fresh“ – so heißt das Magazin- die allererste Zeitschrift, die von und über Black Austrians berichtet.

„Die Zielgruppen sind die 2. und 3. Generation von Schwarzen in Österreich, aber natürlich auch jeder, der sich für unseren Blickwinkel interessiert“, erklärt Vanessa Spanbauer, die stellvertretende Chefredakteurin des Magazins. Außerdem verdeutlicht sie noch:“ Es gab nichts auf dem Markt was uns als Community repräsentierte. Viele Schwarze fühlen sich hier einfach nicht vertreten und lesen dann lieber amerikanische Zeitschriften, da findet man noch eher etwas, das den eigenen Interessen entspricht.“

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(c)MH

Schon dritte Ausgabe von „fresh“ ist auf dem Markt UND das Magazin ist gratis. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass es nun Euroscheinchen in der „fresh“ Redaktion regnet, nun, das stimmt so gar nicht:“Wir arbeiten momentan alle gratis. Es bekommt noch keiner einen Lohn. Wir machen das wirklich aus Überzeugung und es fühlt sich unbeschreiblich an, wenn man dann trotzdem so etwas auf die Beine stellen kann. Wir haben damit ein bisschen Identität für uns geschaffen und die Reaktion der Leser ist außerordentlich ermutigend“, sagt die 24Jährige Studentin stolz. Immerhin haben mehrere Medien über die Erscheinung von „fresh“ berichtet und der Inhalt des Magazins wurde neulich sogar in der Howard University in den USA verwendet, um den Studenten Deutsch beizubringen. Vanessa war über Skype live dabei.

Aber nicht nur das überzeugt Vanessa, die Halbnigerianerin betont auch, dass in  der „fresh“ Redaktion Hautfarben keine Rolle spielen. So ist es mehr als selbstverständlich,  dass auch junge Leute mitwirken, die keine Black Austrians sind. “ Für mich ist das überhaupt keine Frage der Hautfarbe, ob jemand bei uns schreiben, fotographieren, oder die Graphik machen kann. Ganz im Gegenteil, wir haben in der Redaktion alle möglichen Menschen und so wird es auch bleiben.“

Was an „fresh“ anders ist? Vanessa meint, dass man es mit einem „normalen“ Lifestyle- Magazin vergleichen kann, nur wird alles durch die „Afrobrille gesehen“, sagt sie und lacht. „Man kommt endlich vor, MakeUp-Tipps für schwarze Frauen finde ich wo anders nur schwer, oder gar nicht. Von Frisurtipps möchte ich gar nicht anfangen. In „fresh“ wird man erwähnt, ist wichtig und findet ein Zugehörigkeitsgefühl, das man jahrelang vermisst hat. Ich denke, dass es für die eigene Identität eine enorm große Rolle spielt.“

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(c)MH

Wo du das fresh(e) Teil bekommen kannst und ein wenig schnuppern kannst du unter:
http://freshzine.at/ 

Ein Like kannst du ihnen auch schenken:
https://www.facebook.com/freshzine?fref=ts

Über 700 Tote im Mittelmeer – Sind sie euch nicht Charlie genug?

Es war einmal ein Mensch. Dieser Mensch hat viele Namen, mehrere Herkuntfsorte und ein vielfältiges Aussehen. Dieser Mensch wollte eine bessere Zukunft für seine Familie, also überquerte er. Er überquerte Grenzen. Er hatte die Hoffnung, durch diese Grenzenüberquerung mehr Sicherheit, Geld und Lebensqualität gewinnen zu können.

„Aber wir kamen doch nur um das zu holen, was uns genommen wurde!“
Die Menschen, die diese Überquerug schaffen, werden dort wo sie ankommen, oft nicht akzeptiert.Warum? Weil sie weder blond noch blauäugig sind. Sie kommen an um festzustellen, dass man sie gar nicht will. Man will auch ihre Kinder nicht. „Aber wir kamen doch nur um das zu holen, was uns genommen wurde!“, denken sich viele dieser Überquerer, nur hört ihnen keiner zu, denn was in der Vergangenheit geschah, bleibt in der Vergangenheit und ist dort still gestorben. Keiner spricht heutzutage mehr über ehemalige Koloniestaaten, die aufgrund der westlichen Welt zur „dritten Welt“ getauft wurden. Wie würde sich ein Westlicher fühlen, wenn ein Fremder bei ihm zu Hause einbricht, seine Frau und Töchter vergewaltigt, seinen Kühlschrank ausräumt und den Hausbesitzer – in seinem eigenen Haus- versklavt? Wie würden es die Medien betiteln, wenn ein Westlicher andere Menschen kalt umbringt? Ach ja, „er hatte Depressionen“, würde es wahrscheinlich heißen, wie im Fall der German Wings, oder es handelte sich „bloß“ um einen Parkplatz, siehe Fall Chapel Hill Shooting. Geographische Grenzen werden also benutzt, um Hierachien geltend zu machen, Menschen auf einer grausamen Art zu diskriminieren, die aus irgendeinem Grund okay ist und diese Art gilt weltweit. Sie gilt. Sie wird anerkannt. Für den Westen und für die Medien gilt diese Lebensweise wie ein unausgesprochenes Gebot, wem das nicht passt – Pech gehabt!

Je suis 700 Tote im Mittelmeer
Einige Menschen schaffen die Überquerung der Grenzen nicht. Die meisten sterben ertrunken. Um ehrlich zu sein, ertrinken auch jene, die die Überquerng schaffen. Der einzige Unterschied ist der, dass welche unter Wasser ertinken und andere ertrinken an Ignoranz und Fremdenfeindlichkeit. Im Endeffekt, sterben sie beide. Ich vermisse den Marsch von Politikern aller Welt für diese Opfer, oder sind sie euch nicht Charlie genug? Passt euch ihre Hautfarbe nicht? Passt euch ihre Herkunft nicht? Passen euch ihre Namen nicht? Und passen euch all diese Dinge nicht, dann gebt ihnen ihr Land, ihre Würde und ihr Gut zurück, sie werden in nullkommanix abreisen und niemals an euch denken. Ihr werdet aber sehr wohl an sie denken und das tagtäglich, denn ohne sie wären eure Länder, die wahren Länder der dritten Welt.